Zeichnungen gehören neben Schmuck und geschnitzten Figuren zu den ältesten überlieferten Zeugnissen der Kunst: die berühmten Höhlenmalereien von Südfrankreich (Lascaux, Dordogne) und Spanien (Altamira) sind im Zeitraum von vor 20000 bis 14500 Jahren entstanden (jüngere Altsteinzeit). In der im Jahre 1994 entdeckten Grotte von Chauvet an der Ardèche wurden Zeichnungen gefunden, die vor mehr als 32000 Jahren entstanden sind.
Man nimmt wohl zu recht an, daß diese Zeichnungen magisch-kultische Bedeutung hatten. Eine gewisse Magie scheint in der Möglichkeit zu stecken, etwas auf eine Fläche zu bannen.
Aus immer weiter vereinfachten Zeichnungen - Zeichen - hat sich die Schrift entwickelt, und wir erkennen im Zeichnen eine Wurzel unserer Kultur, die über die Jahrtausende lebendig geblieben ist.
Ich will hier nicht die Geschichte von Malerei, Zeichnung und Graphik vor Ihnen ausbreiten, sondern einen großen Sprung ins 19. Jahrhundert machen.
Die Photographie wurde erfunden und nahm der Malerei die Aufgabe der bildlichen Dokumentation ab. Manche meinten, das Ende der gemalten und gezeichneten Bilder sei gekommen, aber das erwies sich als falsch. Im Gegenteil, die Kunst explodierte geradezu und nutzte die größere Freiheit, um sich in viele Richtungen aufzuspalten.
Zu Beginn der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts schien dann die realistische, figürliche Malerei und Zeichnung fast verpönt -- ungegenständlich, zumindest abstrakt mußte es sein.
Aber der Reiz -- oder soll ich sagen, der Zauber -- der figürlichen Zeichnung, Portrait oder Akt, bestand fort: denn wenn es jemandem gelingt, ein gutes Portrait zustande zu bringen, dann liegt darin eine tiefe innere Befriedigung, die aber auch Ansporn zu weiteren Taten ist, unabhängig davon, welche Stilrichtung oder Mode in der "großen Kunst" gerade en vogue ist.
Diese Erfahrung machten einige Teilnehmer eines Volkshochschul-Zeichenkurses, die mit wachsender Begeisterung einen Kurs nach dem anderen belegten und sich schließlich zu einer Gruppe zusammenschlossen, um gemeinsam weiter zu zeichnen, dabei voneinander zu lernen, sich weiterzubilden. Das war vor 25 Jahren der Beginn der Freien Portraitzeichengruppe Hannover.
Die Gruppe hat sich in der Folgezeit immer wieder in Ausstellungen an die Öffentlichkeit gewandt, hat -- fast seit Anbeginn -- aktiv an den Tagen der Niedersachsen teilgenommen -- die jährlichen Höhepunkte -- und auch auf Altstadtfesten öffentlich gezeichnet.
Gemeinsame Studienreisen führten zu den berühmten Museen: Paris, Amsterdam, Prag, Rom, St. Petersburg, Dresden, Florenz, London, Barcelona, die letzte führte nach Salzburg.
Wir wollen Ihnen mit dieser Ausstellung anläßlich des fünfundzwanzigjährigen Bestehens der Gruppe zeigen, daß die Fähigkeit zu zeichnen immer noch lebendig ist; vielleicht spüren Sie auch ein bißchen von dem Zauber, der die Mitglieder unserer Gruppe in seinem Bann hält.
Wir freuen uns, daß uns die Stadt Hannover diesen schönen Raum zur Verfügung stellt, und wir wünschen Ihnen Freude beim Betrachten der Bilder.